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Donnerstag, 5. Januar 2006

Der Tag danach.

Die meisten Mails sind beantwortet, die Telefonate geführt. Der Tag danach.

Elea ist tot. Nicht völlig unerwartet. Aber als der Anruf ihres Bruders kam, war ich doch geschockt.
Nicht unerwartet hieß immer, es nie vorhersagen zu können. Jede Erkältung wieder barg ein Risiko. Es zu wissen heißt nicht, es wahrhaben zu wollen. Vor allem nicht _jetzt_. Es hätte auch im Sommer, vielleicht im übernächsten Jahr sein können.

Das viel zu kurze Telefonat, das kaum eines war, weil sie nicht gut sprechen konnte und ich im Wald fast keinen Empfang hatte. War es ihr, die kämpfen konnte und vielleicht auch noch wollte, schon klar zu diesem Zeitpunkt? Die Bitte um Reiki. War es zu wenig? Keine Ahnung, hätte mehr Energie bedeutet, es aufzuschieben? Für diesmal? Für was? Ich weiß es nicht.

Ich bin ihrem Bruder dankbar, dass er mich angerufen hat. Eine Jahre alte Vereinbarung, in Anbetracht des immerwährenden Risikos und der Tatsache, dass für ihre Eltern die Welt in der Elea lebte und damit die Menschen in dieser Welt fremd, unzugänglich, bedrohlich erschien. Von ihnen hätten wir es vielleicht nicht erfahren.
Sie haben viele, wahrscheinlich zu viele Opfer gebracht, für Elea. Aber wohl auch für ihre eigene Welt. Ich wünsche ihnen die Kraft, die sie brauchen, ihr Leben neu und sinnvoll zu ordnen. Möge die Trennung Heilung bewirken.

Mike sagte am Telefon, „Sie hat es nicht geschafft“. Nein hat sie nicht. Oder doch? Ihr Leben war ein langer Kampf. Auch um Freiheit, Eigenmacht, Selbstverantwortlichkeit. Ein Kampf gegen die Umstände, die Begrenztheit ihrer Umwelt, gegen ihre eigenen Grenzen.
Als sie gestern hier war, eine Stunde nach dem Anruf ihres Bruders, gab es viele dieser Grenzen nicht mehr. Der Tod als Ende dieses Kampfes? Die ersten Schritte auf dem Weg nach Hause?
Vielleicht begegnen wir uns irgendwann wieder. In einer anderen Zeit, einer anderen Welt und anderen Umständen. Wer weiß, vielleicht gibt es dann auch weitaus weniger Grenzen, als wir uns in diesem Leben gesetzt haben.

Wer Extreme lebt - und das hat Elea unzweifelhaft getan - ist drastischer Spiegel aber auch Motivation für andere. Wir haben ihr vieles zu verdanken. Nicht zuletzt die Erkenntnis, die Dinge zu tun, wenn sie anstehen. Nicht nur, wenn ein Leben ständig bewusst unsicher ist.

Ich weiß nicht mal, ob Trauer das angemessene Gefühl ist. Wahrscheinlich nicht. Seit wann hat Lieben etwas mit Anwesenheit zu tun?

Komm gut an, Alex.

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